Vogeleier
Das Vogelei zählt zu den dotterreichen (polylecithalen) Eiern und entspricht im Aufbau den Eiern der Reptilien und eierlegenden Säugetiere (Kloakentiere). Darum bilden diese drei Klassen gemeinsam die natürliche Verwandtschaftsgruppe der Amniota. Zu dieser Gruppe zählen auch die lebendgebärenden Säugetiere, deren Keimblase der Eihaut homolog ist.
Der Begriff Amniota wurde zuerst 1866 von Ernst Haeckel („Amnionthiere“) in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt und steht für die höheren Wirbeltierklassen der (paraphyletisch) „Reptilien“, d. h. den Vögeln und den Säugetieren in Abgrenzung zu den Anamnia, also den Fischen und Amphibien. In der phylogenetischen Systematik sind die Amphibien die Schwestergruppe der Amnioten.
Ein Merkmal des Eis der Archosauria, zu denen außer den Vögeln auch Krokodile gehören, ist die starre Schale aus Kalk (Calciumcarbonat), während bei den meisten Schuppenkriechtieren (Ausnahme manche Geckoartige) und den Kloakentieren die Schale pergamentartig ist (Amnioten-Ei). Auch bei manchen Schildkrötenarten kommen feste kalkschalige Eier vor.
Vogeleier unterscheiden sich unter anderem in der Größe: Die kleinsten werden von der Kolibri-Art Bienenelfe gelegt.
Die Entwicklung des Eies
Die Entwicklung wird hier beispielhaft anhand des Hühnereis beschrieben. Sie verläuft bei anderen Vogelarten (abgesehen von Größen- und Zeitangaben) in vergleichbarer Weise.
Entstehung des Keims bzw. Embryos
Die Entstehung des Embryos beginnt im Eierstock, der bei weiblichen Vögeln wie der gesamte Geschlechtstrakt meist nur links ausgebildet ist. Im Eierstock befinden sich Tausende von Eizellen, die sukzessive durch Anlagerung von gelbem Dotter zu großen Dotterkugeln heranwachsen. Das erfolgt im Verlauf von mehreren Tagen – bei domestizierten Hühnern praktisch ganzjährig, bei anderen Vögeln nur saisonal, also passend zur Brutzeit. Die Eier gelangen über den Eitrichter in den Eileiter (Ovidukt, Oviductus oder Legedarm genannt). Im Eileitertrichter (Infundibulum, ca. 9 cm lang) bildet sich eine lockere Membran um die Dotterhaut, aus der später die Hagelschnüre (Chalazae) hervorgehen. Im Infundibulum kann das Ei durch Spermien des männlichen Vogels (Hahns) befruchtet werden. Geschieht dies, bildet sich an der Dotterkugel eine Keimscheibe; hier wächst der Embryo oder Keim heran. Später werden von Drüsen die Vorstufen des Eiklars gebildet und an das Ei angelagert. Drehungen des Eis um die eigene Achse sorgen für eine gleichmäßige Anlagerung. In dieser Phase entstehen auch die Hagelschnüre. Sie halten später den Dotter (Eigelb) in der Mitte der Kalkschale und verhindern so, dass der Keimling bei Erschütterungen an die Kalkschale schlägt und beschädigt wird. Im sich anschließenden Isthmus des Eileiters erfolgt die Bildung der Schalenhaut.
